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Protokoll – Frau Hertha Petz aus Millstatt
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Ich, Herta Petz, geboren 1920, bin zuerst in St.Peter am Pichl bei
den Großeltern, dann in St.Johann/Ros. bei den Eltern aufgewachsen.
Ich besuchte nach der Pflichtschule die LPA in Klagenfurt und war
dann 1944 Lehrerin in St.Johann/Ros., an der 2klassigen Volksschule.
Im Februar 1944 – stürmten ins Elternhaus in St.Johann - ca 7 Uhr am
Abend – ca. 10 – 15 Partisanen ins Haus.
Sie haben Essen verlangt.
Ich war hoch schwanger und hatte meine älteste Tochter, die gerade
erst ein Jahr alt war auf meinem Arm gehalten – meine Mutter hat
sich sofort zum Schutz vor mich gestellt – sie wurde jedoch von den
Partisanen weggestoßen.
Meine Mutter ist dann sofort auf einen Sessel gesprungen und hat die
Verdunkelung heruntergerissen – da hat ein Partisane die Waffe gegen
meine Mutter gerichtet – ich habe diesem die Waffe heruntergerissen,
sodass der Schuss in den Boden ging.
Daraufhin hat mir der Partisan mit seinem Gewehrkolben auf meinen
Bauch geschlagen –
Meine Mutter wurde auch zusammengeschlagen und hat dabei sehr
geschrien, so wie wir auch alle geschrieen haben – dann sind sie
hinaus.
Die Partisanen sind zwar immer wieder an unserem Haus
vorbeigegangen, sind aber nicht mehr herein gekommen.
Es sind dann Gerüchte kursiert, dass wir wahrscheinlich verschleppt
werden -
wir hätten am 10. Oktober zu Mittag überfallen werden sollen –
der Lagerleiter des RAD in Kappel hat uns gewarnt :
wir sollen binnen einer halben Stunde alles gepackt haben, wir
werden von einem LKW abgeholt und wir müssen verschwinden.
Wir haben nur das notwendigste zusammengeklaubt und es ist uns die
Flucht gelungen.
Ich bin dann als Lehrerin an die Hauptschule Villach gekommen.
Die Schule war zu dem Zeitpunkt ausgelagert und befand sich in
Ossiach, dort habe ich dann mit meinen beiden Töchtern gelebt.
Habe dort die Leitung eines „Kinderland-Verschickungslagers“
übernommen –
hier waren die Kinder von der HS Villach in einer Pension
untergebracht, ich habe sie zur Betreuung bekommen und habe sie auch
unterrichtet.
Beim Seewirt war auch eine Klasse – da waren auch zwei Lehrer – wir
haben uns dann gegenseitig unterstützt.
Im Mai, wie der Zusammenbruch war, sind die Kinder alle
heimgeschickt worden –
Mein Elternhaus ist dann am 3. April 1945 von den Partisanen
niedergebrannt worden, vorher haben sie es noch ausgeraubt.
Wir haben sehr nette Partisanennachbarn gehabt !
Zu dem Überfall auf uns möchte ich noch eines bemerken:
Dabei war der Sohn von einem gewissen Bekannten, dass war unser
übernächster Nachbar, der war ein Nationalslowene und hat alles, was
er erwischen konnte, gestohlen.
Dieser Junge wurde von mir unterrichtet.
Während der Schulzeit war dieser Junge bekannt dafür, dass er kein
Tier in Ruhe lassen konnte. Ob es Katzen waren, die er gequält hat,
oder Vogelnester, die er zerstört hat
Ich habe damals mit ihm gesprochen und ihm gesagt er soll ein
anständiger Mensch werden –
Dieser Junge war bei dem Überfall dabei.
Auch die anderen Partisanen waren alles Einheimische – vom Rabenberg
oben usw.
Beim Zusammenbruch ist es uns sehr schlecht gegangen –
In St. Johann war ein Nationalslowene mit dem ich sehr gut
befreundet war.
Wir sind oft am Zaun gestanden und haben diskutiert, er hat seine
Ansichten gehabt, ich meine –
und wenn Not am Mann war – wir haben eine kleine Landwirtschaft
gehabt (mein Vater war schon gestorben) hat mir dieser „Permusch“
immer geholfen.
Er war freigestellt von der Wehrmacht, weil seine Mutter schon sehr
alt war und er am Bauernhof arbeiten musste.
Der ist aber beim Austragen von Propagandamaterial der Partisanen
erwischt wurden, ist eingezogen worden und ist in einem Straflager
umgekommen.
Dieses Einziehen ist aber mir angelastet worden –
Ich hätte ihn angezeigt und aufgrund meiner Anzeige ist er dann
verhaftet worden.
Ich bin dann nach dem 8. Mai 1945 von der englischen Polizei in
Ossiach verhört worden (mein Sohn war gerade unterwegs) wurde immer
wieder in das Schloss Ossiach geholt und verhört. Da ich aber keine
Namen genannt habe, haben mich die Engländer mit Fußtritten
hinausgestoßen, mich bespuckt, mich mit Wein angeschüttet...
Ich war hoch schwanger mit meinem Sohn Harald... habe dann auch beim
Verhör Wehen bekommen..
Es wurde mir gedroht: „Wenn ich keine Namen nenne, wird mein Kind,
wenn überhaupt, im Gefängnis zur Welt kommen. Es ist mir in der Not
plötzlich eine Person eingefallen: Tochter von der Gretl Schoderböck
(Mutter von ihr ist im Abwehrkampf gefallen), war zwei Jahre vor mir
in der LPA, ist bei der Geburt von Ihrem ersten Kind gestorben,
warum der Name mir eingefallen ist, kann ich nicht sagen. Jedenfalls
habe ich den Namen genannt und dann haben sie mich schon mit starken
Wehen noch Weiern geführt und zehn Minuten später ist der Bub auf
die Welt gekommen. Nach zwei Tagen wollte man mich wieder verhöre,
aber der Arzt Embacher hat sich gewehrt, daraufhin hat man ihn nach
Wolfsberg geschickt.
Anschließend hat man mich delogiert – nach Axdorf, St.Urban, ich
habe dort beim Messner am Dachboden mit meinen drei Kindern gehaust.
Am 10. August 1945 - 10 Tage nach der Geburt habe ich erfahren, dass
mein Mann in Föderaun gefangen ist, habe mein Pinkerl gepackt und
bin über Ossiach – Villach zu Fuß nach Föderaun gegangen, damit mein
Mann seinen Buben sieht.
Es war nicht so einfach, ich habe gebeten und gebettelt – er ist
dann gekommen und hat den Buben aus der Entfernung gesehen – wir
durften uns nicht berühren und auch nicht sprechen.
Ich bin dann mit dem Buben die selbe Strecke wieder zu Fuß nach
Hause gegangen.
Ich bin entlassen worden und bin ohne Geld und mit nichts
dagestanden.
Der Bruder meines Mannes, mein Mann ist Spittaler, hat mich dann
nach St.Urban ins Haus Petz geholt,
ohne Zuzugsgenehmigung, obwohl mich meine Schwiegermutter mit den
drei Kinderlein aufgenommen hat, habe ich keine Lebensmittekarte vom
Bürgermeister drei Monate lang bekommen. Meine Mutter hat von einem
entfernten Bekannten, der früher Bürgermeister in St. Urban war,
schwarz eine Lebensmittelkarte geschickt bekommen. So sind wir dann
durchgekommen.
Ich bin dann vier Wochen hindurch, jeden Tag um Punkt 12 Uhr von den
Engländern geholt und wieder verhört worden. Beschimpft wurde ich
bis zur „Deutschen Hure“. Ein letztes Mal hat mich dann ein junger
Richter Verhört und ich möchte sehr gerne draufkommen, wer das war.
Er hat gesagt: „Lassen Sie sich scheiden - die Petz sind Schweine“,
dann hat sich an mich heran gemacht.
Im Jahre 1950 bin ich die Bahnhofstraße hinunter gegangen, da hat
mich ein Herr angesprochen (Dir. Stern) – und am 10. Oktober war ich
als Lehrerin in Spittal angestellt.
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